Im Rahmen einer zwölfmonatigen Projektlaufzeit wurde das Projekt "Migration und Teilhabe" (MuT) des bhz wissenschaftlich von der Evangelischen Hochschule begleitet. Im Fokus standen dabei die zwei zentralen Untersuchungsschwerpunkte “Erfassung der Lebenssituationen und Unterstützungsbedarfe von Menschen mit Behinderung und Fluchterfahrung” sowie “Perspektiven der Adressat*innen des Projekts”.
Mit vier Fachkräften, die in diesem Bereich tätig sind, wurden leitfadengestützte Expert*inneninterviews geführt. Darüber hinaus wurden fünf Personen befragt, die Angebote von MuT in Anspruch nehmen.
Die Ergebnisse wurden am 27. Juli 2026 im Rahmen der Veranstaltung „Intersektional gedacht? Soziale Arbeit für Menschen mit Fluchterfahrung und Behinderung“ im Service- und Quartierhaus Kitz7 von den Projektleiterinnen Hedda Gienger und Jana Maurer (Foto) vorgestellt und gemeinsam mit Fachkräften diskutiert.
Zentrale Ergebnisse der Untersuchung waren:
- Die Lebenssituation von Menschen mit Fluchterfahrung und Behinderung ist schwierig, viele Leistungen und Unterstützungsmöglichkeiten sind Ermessensentscheidungen. Für die Menschen ist das eine große Belastung. In der Begleitung bedeutet das viel Zeit und Aufwand für Anträge und lange Wartezeiten mit ungewissem Ausgang.
- Im Hinblick auf die Lebenslagen von Menschen mit Fluchterfahrung und Behinderung bestehen weiterhin erhebliche Wissenslücken. Dies betrifft sowohl die Verfügbarkeit belastbarer statistischer Daten als auch das fachliche Wissen der mit dieser Zielgruppe arbeitenden Akteur*innen. Die professionelle Begleitung an der Schnittstelle von Flucht und Behinderung erfordert interdisziplinäres Wissen, das insbesondere rechtliche, medizinische, sozialarbeiterische, sprachliche und psychosoziale Aspekte umfasst. Darüber hinaus ist eine gute Vernetzung zwischen den beteiligten Fachstellen und Institutionen von zentraler Bedeutung, um komplexe Unterstützungsbedarfe angemessen bearbeiten und bestehende Zugangsbarrieren reduzieren zu können.
- Das MuT-Projekt adressiert ein bislang vergleichsweise wenig sichtbares Handlungsfeld an der Schnittstelle von Flucht und Behinderung. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass in diesem Bereich sowohl erhebliche Wissens- und Forschungslücken als auch Defizite hinsichtlich geeigneter Unterstützungsstrukturen bestehen. Zugleich bestehen für die Zielgruppe teilweise erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich ihrer Leistungsansprüche und des Zugangs zu entsprechenden Unterstützungsangeboten.
- Eine bedarfsgerechte Begleitung von Menschen mit Fluchterfahrung und Behinderung setzt niedrigschwellige Zugänge sowie den Aufbau verlässlicher und vertrauensvoller Beziehungen voraus. Von zentraler Bedeutung ist dabei eine ressourcenorientierte Arbeitsweise, die die Selbstwirksamkeit und Handlungsmöglichkeiten der Zielgruppe stärkt. Die Perspektiven und individuellen Bedarfe der Personen sollten dabei konsequent berücksichtigt werden.
