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Erfahrungsbericht von Koletta

FsJlerin Koletta über ihre Zeit im Wohnheim und der Tagesförderstätte Birkach

 

Zuallererst möchte ich Bezug zu meiner Entscheidung für ein Freiwilliges Soziales Jahr nehmen. Nach zwölf Jahren Schule war ich mir unschlüssig, ob ich sofort mit meinem Studium beginnen sollte oder von dem schönen Allgäu in eine größere Stadt ziehen und den Arbeitsalltag, die Stadt Stuttgart und neue Bekanntschaften kennenzulernen.


Da die Konditionen, die ein Freiwilliger erhält, gar nicht so gering sind, entschied ich mich für ein Freiwilliges Soziales Jahr. Ich bewarb mich für ein FSJ im Wohnheim Birkach, wo ich geistig und körperlich eingeschränkte Menschen betreute, Essen gab, Körperhygiene leistete und auch Ausflüge unternahm.
Da ich zuvor noch nie mit behinderten Menschen gearbeitet hatte, war das ein großer, aufregender Schritt, den ich gegangen bin.


Der 2. September2009 war mein erster Arbeitstag. Ich lernte die Bewohner kennen und wurde über das Aufgabenspektrum informiert, da jeder Bewohner individuell versorgt werden musste.


Die Einarbeitung betrug zwei Wochen und es war erstaunlich, wie schnell ich mich an die Betreuten und meine Aufgaben gewöhnt hatte. Die Zeit im Wohnheim bereitete mir viele lustige, unvergessliche Augenblicke, immer wieder neue Ereignisse und interessante Fakten über die verschiedenen Behinderungen der Menschen. Auch das Zusammenarbeiten mit meinen Kollegen war so gut wie immer angenehm und lief reibungslos, da jeder den anderen akzeptierte und respektvoller Umgang sehr wichtig ist.


Im Wohnheim sind die Arbeitszeiten anders als in normalen Berufen, da die Bewohner rund um die Uhr betreut werden, jedoch Nachtbereitschaft müssen FSJ-ler nicht leisten. Es gibt drei verschiedene Dienste: Frühdienst, Tagdienst und Spätdienst. An manchen Tagen steht im Dienstplan, dass man geteilten Dienst leisten muss, das heißt, es wird morgens gearbeitet, also Frühdienst (von 06:30 – 09:15 Uhr) und hat am selben Tag Spätdienst, der um 15:30 Uhr beginnt und  abends um halb Zehn endet. Jedes zweite Wochenende hat man Dienst, jedoch hat das auch Vorteile, da bei vielen das Party-Wochenende des Öfteren ganz schön kostspielig sein kann.


Ja, das Jahr verging wie im Flug und da ich noch keinen Studienplatz hatte, bewarb ich mich in der Tagesförderstätte Birkach und verlängerte dort mein FSJ um ein halbes Jahr. Hier werden schwerstbehinderte Menschen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, gefördert. Diese Menschen haben eine so schwere körperliche und/oder geistige Behinderung,, dass sie viele Dinge nicht selbstständig erledigen, beziehungsweise nicht in einer Werkstatt arbeiten können. Das Angebot, das hier geboten wird, ist vielseitig. Von Entspannung im Snoezelraum (Wasserbett, blubbernde Leuchtröhren, Schwarzlicht, entspannende Musik), bis über Spiele spielen (UNO, Mensch Ärgere Dich Nicht, Vier Gewinnt, Schach, …), Spazieren gehen, Kosmetik, Hängematte, Kochen, Kugelbad und auch Ausflüge werden hier für die Betreuten geboten. Auch Pflege ist hier an der Tagesordnung, in manchen Gruppen mehr und in anderen etwas weniger.


Die Arbeitszeiten sind hier im Gegensatz zum Wohnheim regelmäßig. Arbeitsbeginn ist um 08:15 Uhr und Arbeitsschluss ist um 16:00 Uhr (Dreißig Minuten Mittagspause zwischendrin), außer Dienstags (07:00 – 16:00Uhr) und Mittwochs (08:15 – 17:30 Uhr). In der Tagesförderstätte werden die Dienstzeiten sehr genau eingehalten, das wiederum kann später sehr wichtig für die weiterführende Berufslaufbahn sein.


Da ich auf Grund meines FSJ´s  in zwei sehr unterschiedlichen und doch gleichen Bereichen gearbeitet habe, konnte ich mir ein vielseitiges Bild schaffen von der Arbeit mit behinderten Menschen. Immer wieder fällt der Begriff „Inklusion“, diese kann aber nur stattfinden, wenn die junge Generation mit eingeschränkten Menschen in Kontakt war, mit ihnen gearbeitet, gelacht, gezofft, mitgefühlt, Verständnis gezeigt und auch mal eigenes, falsches Handeln eingesehen hat.

 

Ich kann nicht sagen, welcher Bereich mir besser gefiel, das möchte ich auch gar nicht, da Vor- und Nachteile in jedem Bereich existieren. Was ich eigentlich mit meinem Bericht sagen möchte ist, dass ein Jahr, das freiwillig geleistet wird, sich lohnt. Zwischenmenschlich bringt es einen weiter, Selbstständigkeit bringt es mit sich und eine Menge an schönen, lustigen und manchmal auch weniger erfreulichen Erfahrungen.

Koletta Seebörger


 

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